Tag 23 – Beadnell Bay


Ord House Country Park, Northumberland, Northumberland TD15 2NS, Vereinigtes Königreich

Beadnell Bay Camping and Caravanning Club Site, Chathill, Northumberland NE67 5BX, Vereinigtes Königreich

61 km

Lindisfarne bei anlaufender Flut

Die Nacht ist ruhig und erholsam. Wir trinken in Ruhe unseren morgendlichen Kaffee, packen, verabschieden uns von dem Australier und seiner Freundin. Dann schmeißt er seinen AC Cobra an und der Zeltplatz vibriert. Jetzt sind sicher alle wach. Da hätten unsere Endtöpfe nicht geschafft. Wir fahren heute weiter nach Süden und nutzen jede Gelegenheit, die A1 gegen die coastal trails zu tauschen. Als wir in die Nähe von Holy Island und Lindisfarne kommen, sehen wir eine Straße, die dort hinüberführt, aber so tief, wie sie gebaut ist, das wohl nur bei Ebbe. Viele Autos parken vor dem Weg und viele Menschen schauen nach Holy Island hinüber. Wir fahren ganz nach vorn an allen vorbei und dann trockenen Reifens hinüber. Wo war hier das Problem? Auf der Insel geht es ein paar Kilometer die Küstenstraße entlang, bis der Weg ins Innere abbiegt. Bald finden wir einen Parkplatz mit einem Tidenkalender. Stephan steigt ab, liest und meldet über Funk die Daten und es stellt sich heraus: Heute ist der 24.08.14, 13h54. Der Tidenkalender sagt, daß die letzte sichere Überfahrt vor der Flut 13h24 ist oder besser war. Wie auch immer. Nachdem wir nunmal hier sind, überlegen wir, etwas zu bleiben. Wir könnten die Ruinen vom ehemaligen Kloster anzuschauen oder vom Strand aus nach Dänemark winken. Apropos. Als die Wikinger 793 hier an ihrem ersten Urlaubstag an Land gingen, haben sie nicht lange nach Gastfreundschaft gefragt und sich alles genommen, was nicht angenagelt war. Waren wohl pauschal unterwegs. Eine Besichtigung könnte interessant werden. Aber die Flut geht erst wieder in einigen Stunden und erst nach 18h können wir wieder zum Festland fahren. Sagt der Tidenkalender. Das erklärt wohl auch die parkenden Autos und wartenden Menschen von vorhin.  So lange können wir jedenfalls nicht hier bleiben. Stephans Licht geht noch immer nicht und wir müssen noch einige Kilometer abreißen, bevor wir unser Zelt aufstellen können. Kein Mensch hat Bock, der Polizei zu erklären, daß wir nur deshalb hier ohne Licht fahren, weil es in diesem Land keine Bierkästen gibt. Wir wenden und fahren zügig an der Küste zurück zur Passage zum Festland. Die Passage ist knappe 2 km lang und an einigen Stellen jetzt bereits überflutet. Blöde Situation. Wir geben Gas und fahren mit Schwung hindurch. Das Nordseewasser spritzt meterhoch zu beiden Seiten. Der Aufschlag ist so heftig, daß es uns fast die Stiefel von den Fußrasten haut. Aber eben nur fast. Ob das eine gute Idee war, lasse ich jetzt mal offen. Gegenüber hielt man wohl für eine solch, den wir werden mit Fotoapparaten und Applause begrüßt. Danach geht es weiter an der Küste nach Süden. Und weil am kommenden Montag bank holiday ist, ist alles vollgestopft mit inländischen Touristen, die das Wetter und das verlängerte Wochenende nutzen, um von der einen an die andere Küste zu fahren, um dort zu campen und zu baden. Endlich finden wir einen Campingplatz, direkt an der Nordsee gelegen, bauen auf und gehen etwas später in einen Pub im nächsten Örtchen: schön Essen und Trinken, so der Plan. Dort angekommen, müssen wir feststellen, daß es hier wohl um einen hochpreisigeren Imbiß handelt, jedenfalls haben sich alle Gäste schick gemacht, wenn Ralle denn schick ist. Wir tragen, auch in Ermangelung anderer Kleidung, unsere Motorradklamotten. Vom metallbeschlagenen Stiefel bis zur Protektoren-Jacke. Damit fallen wir hier etwas aus dem Rahmen. Dann kommt das Essen: Eine mördermäßig riesige Portion Fish und Chips, an der wir die ganze Nacht verdauen. Dazu gibt es Bier und später auf dem Campingplatz auch Whisky und Cider. Das Wetter ist ausgezeichnet und der Zeltplatz hat gutes WiFi, sodaß wir noch eine ganze Zeit videochatten per Skype und Hangouts und so Freunden und Familie zeigen könne, wie es hier so aussieht und wie wir mittlerweile aussehen. Wir bleiben lange auf.

Nachts stehen 1000 Sterne am Firmament inklusive Milchstraße und Pleiaden. Wunderschön! Das ist unsere letzte Nacht auf der Insel. Morgen gehts nach Newcastle und auf die Fähre.